DigiLab

Im Rahmen des Projektes wurde ein Digitallabor (DigiLab) für die Entwicklung und Anwendung der Open Educational Resources (OERs) aufgebaut. Denn angesichts der zunehmenden Vernetzung und des Einzugs digitaler Medien in den Schulalltag müssen Schülerinnen und Schüler nicht nur fachspezifische Fähigkeiten in Englisch ausbilden, sondern auch kritische und funktionale Medienkompetenz erwerben. Dies erfordert eine zeitgemäße Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte, die fächerübergreifend digitale Lehr- und Lernformate in den Unterricht integrieren (vgl. KMK 2016, 2021).

Forschungsfeld

Mobiles Lernen und Lehren (Mobile Enhanced Language Learning and Teaching, MELLT) ist ein wichtiges Forschungsgebiet im Sprachunterricht des 21. Jahrhunderts. Jahrhunderts. Im theoretischen pädagogischen Rahmen des mobilen Lernens sind die aktive Rolle des Lernenden und die in das Lernszenario eingebundene Mobilität von besonderer Bedeutung, da sie die produktive Zeit, die mit einer bestimmten Aufgabe verbracht wird, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Sprachunterrichts erhöhen können. Das allgemeine Konzept der „Mobilität“ kann in verschiedene Arten der Mobilität unterteilt werden, die nicht nur die „Mobilität der Technologie“ umfassen, die bei der Verwendung von mobilen oder tragbaren digitalen Geräten im Klassenzimmer ziemlich selbstverständlich erscheint, sondern auch die „Mobilität im physischen Raum“, die „Mobilität des sozialen Raums“ und die „nahtlose Mobilität“. Ein Bewusstsein für die drei letztgenannten „Mobilitäten“ ist für SprachlehrerInnen bei der Planung und Gestaltung ihres Unterrichts hilfreich, da es ihnen hilft, den Mehrwert verschiedener digital unterstützter Sprachlernszenarien selbst zu bewerten, bevor sie diese in ihren Klassenräumen umsetzen.

Was ist das DigiLab?

Das DigiLab der Fachdidaktik Englisch an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel bietet angehenden Lehrkräften einen modernen Simulationsraum, in dem sie digitale Unterrichtsszenarien erforschen und erproben können. Durch die Abbildung eines breiten Spektrums an technischen Umsetzungsmöglichkeiten, wie dem Einsatz digitaler Tafeln, Tablet-Klassen und hybriden Settings, wird hier innovative Lehr- und Lernforschung für den medienaffinen Fremdsprachenunterricht betrieben. Im Zentrum steht dabei die kritische Evaluation des didaktischen Potenzials digitaler und nicht-digitaler Lehr- und Lernformate, die direkt in die Materialentwicklung einfließt.

Aufgebaut wurde das DigiLab von Prof. Dr. Susanne Heinz, Dr. Ingrid Paulsen und Sean Holt, M.Ed.

Welche Ansätze werden verfolgt?

Das DigiLab folgt dabei einerseits dem sogenannten „Bring Your Own Device“ (BYOD) Ansatz, bei dem Lehrende und Lernende eigenen Endgeräte mitbringen und nutzen. In diesem Format ist es nicht nötig, dass Geräte von der Schule selbst angeschafft werden. Da zwischen den unterschiedlichen Geräten und Betriebssystemen (z.B. Android, Chrome, iOS) die Kompatibilität sich in der Praxis als schwierig gestaltet, wurde das DigiLab so konzipiert, dass ein nahtloser Einsatz persönlicher mobiler Endgeräte dennoch gegeben ist. Auf diese Weise kann das DigiLab zukunftsweisend aufzeigen, wie digitale Lehre effektiv und gezielt realisiert werden kann ohne einen bestimmten Hersteller oder Gerätetyp zu fokussieren. Vergleichend kann das DigiLab zudem eine moderne Tabletklasse (hier angelegt als iPad Klasse) realistisch simulieren und abbilden. Auf diese Weise können Studierende für zahlreiche Formen des digital gestützten Englischunterrichts vorbereitet werden und zugleich die Ausbildung von fremdsprachenspezifischer digitaler Kompetenz und Text- und Medienkompetenz (KMK 2023) gezielt in Projektseminaren gefördert werden.

Links ist eine Infografik mit dem Titel „Interdependenzmodell des Mobile-Assisted Language Learning (MALL)“ zu sehen, die miteinander verbundene Kreise zeigt, die sich auf Schul-, Top-down- und Bottom-up-Ansätze beziehen. Rechts ist ein Buchcover für „Mobile Learning und Fremdsprachenunterricht“ von Susanne Heinz zu sehen, das in einem Digitallabor erstellt wurde.
Zum Buch beim Verlag (externer Link)

Einsatzmöglichkeiten mobiler Geräte

Die folgende Mindmap folgt einem ökologisch-semiotischen Ansatz für das Sprachenlernen (vgl. Leo van Lier 2004; 2011). Sie soll Sprachlehrern und ihren Schülern die vielfältigen Möglichkeiten aufzeigen, wie mobile multifunktionale digitale Geräte wie Smartphones, Tablets und Notebooks – um die derzeit im Schulkontext am häufigsten verwendeten zu nennen – für verschiedene Sprachlernzwecke und Szenarien im kompetenzorientierten Sprachunterricht eingesetzt werden können. Das Akronym MELLT legt einen besonderen Schwerpunkt auf die wichtige Expertenrolle des Lehrers bei der Umsetzung von digital unterstützten Sprachlernszenarien mit einem zusätzlichen Mehrwert zur Förderung/Unterstützung/Verbesserung der Arbeit der Schüler an den verschiedenen Sprachlernkompetenzen.

Ein Diagramm in deutscher Sprache mit mehreren Kästen und Verbindungslinien gliedert Informationen zum mobilen Fremdsprachenlernen. Zu den wichtigsten Kategorien gehören Lernerentwicklung, Lehrstrategien, Geräte wie Tablets, Digitallabor und verschiedene Tools und Kompetenzen im Zusammenhang mit dem Sprachenlernen.
MELLT in the Competence-based Foreign Language Classroom
(cf. Heinz 2014a; Heinz 2014b)

Die im DigiLab genutzten Geräte und Formate sind mit gängigen Systemen in der Schule kompatibel und bieten Lehrenden ein umfangreiches Repertoire an digital unterstützen Lernszenarien. Diese unterstützen Lehrkräfte dabei, traditionelle Methoden zu ergänzen und neue Möglichkeiten zu erschließen, wie beispielsweise die Produktion von Erklärvideos oder die Erstellung von MOOCs.

Ein Diagramm veranschaulicht den Aufbau eines digitalen Klassenzimmers und zeigt verschiedene Komponenten: Projektoren, aktive Tafeln, Tablets, Smart-TVs, Laptops, Smartphones und verschiedene digitale Tools wie Drucker, Scanner und ein Cloud-System. Verbindungen und Interaktionen werden dargestellt.

Geräte im DigiLab

Das DigiLab integriert feste, aber auch besonders auch portable Geräte wie Tablets mit fremdsprachenspezifischen Applikationen, E-Dictionaries und Vidoekonferenz-Systeme, um Lehramtsstudierenden zu ermöglichen, den Mehrwert unterschiedlicher Settings für digital gestützte Lehr- und Lernszenarien erproben und reflektieren zu können.

Genauere Informationen und Anleitungen für die genutzten Geräte finden sich in der folgenden Übersicht – klicken Sie dazu auf das Bild zum entsprechenden Gerät.

Ein interaktives Touchscreen-Display zeigt eine Benutzeroberfläche mit den Symbolen „Digitale Tafel“, „Browser“, „Digitallabor“, „Apps“, „Dateimanager“ und „Einstellungen“. Auf dem Bildschirm wird die Uhrzeit als 15:04 Uhr und das Datum als Dienstag, 26. Juli angezeigt. Der Hintergrund ist ein blau-weißes abstraktes Design.
Digitale Tafeln
Bild eines linearen PCM-Recorders von Olympus, auf dessen Bildschirm Aufnahmeinformationen angezeigt werden. Das Gerät, ein fester Bestandteil jedes Digitallabors, verfügt über verschiedene Tasten, darunter Stopp-, Aufnahme- und Lautstärkeregler, sowie ein kreisförmiges Navigationsfeld in der Mitte. Oben befinden sich zwei externe Mikrofoneingänge.
Olympus Audio Rekorder
Ein Videokonferenzsystem, das für den Einsatz moderner Technologie konzipiert ist, umfasst eine Kamera mit Schwenk- und Neigefunktion, eine Freisprecheinrichtung mit mehreren Tasten und einer digitalen Anzeige, ein kleines rundes Mikrofon und eine Fernbedienung. Alle Geräte sind schwarz und über Kabel miteinander verbunden.
Logitech Group Conference System
Das Bild zeigt ein elektronisches Wörterbuchgerät von Casio mit einem aufklappbaren Bildschirm, auf dem ein Menü zur Sprachauswahl angezeigt wird. Die Tastatur verfügt über verschiedene Tasten, darunter alphabetische, numerische und Funktionstasten, von denen einige auf Deutsch beschriftet sind. Dieses schwarze Gerät von Digitallabor verfügt außerdem über einen kleinen Lautsprecher.
Casio EX Word Dictionary

Checkliste

Checkliste für Lehrkräfte: Wie mobil ist mein Klassenzimmer?

  1. Mobilität im physischen Raum
    1. Informiere ich meine Schüler/innen darüber, wie sie ihre Zeit unterwegs am besten nutzen können, um ihr Sprachenlernen zu verbessern (z. B. gute Websites mit Online-Wörterbüchern zum Nachschlagen von Wörtern, Arbeit mit digitalen Karteikarten, Websites mit Online-Materialien zum Sprachenlernen wie geeignete Podcasts oder Videoarchive)?
    2. Ermutige ich meine Schüler/innen dazu, ihre digitalen „Spracherwerbserfahrungen und -strategien“, die sie in ihrer Freizeit machen (z. B. englische Websites, soziale Netzwerke, Videokanäle, Sprachhilfeseiten), in den Unterricht einzubringen?
    3. Und gebe ich meinen Schülerinnen und Schülern damit die Möglichkeit, das Sprachlernpotenzial der digitalen Tools oder Sprachlernstrategien (wie von einzelnen Schülerinnen und Schülern vorgeschlagen) kritisch zu bewerten und möglicherweise auch einige davon für ihr eigenes Sprachenlernen anzupassen?
    4. Nutze ich die Lernumgebung für Ausflüge mit meinen Schülern oder für Hausaufgaben?
  2. Mobilität der Technologie
    1. Erfüllt das Tool die folgenden Kriterien, um die Mobilität der Technologie zu gewährleisten: tragbar, tragbar, personalisiert, jederzeit und überall Zugang zu Lerninhalten?
    2. Kann der Lernprozess mit verschiedenen Handheld-Geräten und/oder Systemen (z. B. iOS und Android) verbessert werden, wobei idealerweise die verschiedenen Handheld-Geräte, die jedem Schüler/jeder Schülerin zur Verfügung stehen, integriert werden (Konzept des BYOD (= Bring Your Own Device))?
    3. Hat der/die Lernende ein Mitspracherecht bei der Wahl des Mediums oder der Technologie?
    4. Trainiere ich die Medienkompetenz meiner Schüler/innen, indem ich von Zeit zu Zeit mit ihnen kritisch über die Vor- und Nachteile digitaler und nicht-digitaler Werkzeuge für ihr individuelles Sprachenlernen reflektiere?
    5. Erfüllt das Tool die folgenden Kriterien, um die Mobilität der Technologie zu gewährleisten: tragbar, tragbar, personalisiert, jederzeit und überall Zugang zu Lerninhalten?
    6. Kann der Lernprozess mit verschiedenen Handheld-Geräten und/oder -Systemen (z. B. iOS und Android) verbessert werden, wobei idealerweise die verschiedenen Handheld-Geräte, die jedem Schüler/jeder Schülerin zur Verfügung stehen, integriert werden (Konzept des BYOD (= Bring Your Own Device))?
    7. Hat der/die Lernende ein Mitspracherecht bei der Wahl des Mediums oder der Technologie?
    8. Trainiere ich die Medienkompetenz meiner Schüler/innen, indem ich von Zeit zu Zeit mit ihnen kritisch über die Vor- und Nachteile digitaler und nicht-digitaler Werkzeuge für ihr individuelles Sprachenlernen reflektiere?
  3. Mobilität im sozialen Raum
    1. Nutze ich die Möglichkeit, verschiedene Schülergruppen im Klassenzimmer miteinander interagieren zu lassen (z. B. in Partner- oder Gruppenarbeit oder in kooperativen Schreibszenarien wie EtherPad)?
    2. Nutze ich die Möglichkeit, die physischen Barrieren des Klassenzimmers zu überwinden, indem ich verschiedene Referenten aus aller Welt (z. B. Videokonferenz-Tools) in den Unterricht einbinde oder einen virtuellen Austausch mit meinen Schülern und einer anderen Gruppe von Schülern initiiere?
  4. Zeitlose Zeit oder nahtlose Mobilität: Lernen über die Zeit verstreut
    1. Berücksichtige ich die Nahtlosigkeit der Unterrichtsgestaltung und wie die Aufgaben von den Schülerinnen und Schülern über den Unterricht hinaus bearbeitet werden können, z. B. durch formelles und informelles Lernen, personalisiertes und soziales Lernen über die Zeit hinweg (vgl. Wong & Looi 2011)?
    2. Berücksichtige ich auch, dass ich meinen Schülerinnen und Schülern helfen muss, ihr zunehmend digitales und online geführtes Leben zu strukturieren, indem ich über klare Zeitlimits und Fristen für Online-Aufgaben nachdenke (z. B. Zeitlimits für die Abgabe von Hausaufgaben für das nächtliche Lehrerfeedback usw.)?

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